NextGenPSD2

Im Juni 2017 kündigte die NextGenPSD2-Initiative, eine dedizierte Task Force der Berlin Group, die Entwicklung einer offenen, gemeinsamen, harmonisierten europäischen Programmierschnittstelle (open, common and harmonised European API) an, um Drittanbietern (TPPs) den Zugang zu den Bankkonten (XS2A), basierend auf der neuen Zahlungsdiensterichtlinie PSD2, zu ermöglichen. Ziel der Initiative ist es, Drittanbieter bei der Entwicklung von innovativen auf modernen APIs basierenden Lösungen so zu unterstützen, dass der Zugang zu den Bankkonten gewährleistet wird, die Daten jedoch gesichert sind.

NextGenPSD2 will 
- die Komplexität von PSD2 XS2A reduzieren
- die Problematik der verschiedenen, sich konkurrierenden Standards adressieren
- eine maximale europaweite Interoperabilität und Erreichbarkeit ermöglichen,

indem sie einen einheitlichen Standard für eine europäische XS2A Schnittstelle zwischen den Banken und den Drittanbietern definiert.

Europäische Bankkunden könnten so von innovativen Produkten und Dienstleistungen (“Banking as a Service“) von Drittanbietern profitieren. Die Kunden gewähren den Drittanbietern mittels der APIs den sicheren Zugang zu ihren Bankkonten und Finanzdaten und erfahren so gleichzeitig auch ein neues reibungsloses Kundenerlebnis.

Der Standard, welcher als “Access to Account Framework“ entwickelt werden soll, wird Betriebsregeln, Implementation Guidelines, Nachrichtenmodellierung und Informationsflüsse, basierend auf der RESTful API Methode, einer Methode zur webbasierten Kommunikation zwischen Client und Server, anbieten.

Sowohl Private wie auch Firmen benutzen immer häufiger APIs (Programmierschnittstellen), um Daten zu teilen und zu konsolidieren. Dies führte dazu, dass APIs ein DeFacto Industriestandard wurden. Und jetzt, da die europäische Finanzindustrie unter PSD2 den Zugang zu den Kontoinformationen öffnen muss, sind gemeinsame APIs der sicherste und effizienteste Weg, um Daten sicher zur Verfügung zu stellen und dem Problem der sich konkurrierenden Standards zu begegnen.

Aus diesen Gründen stimmt sich auch die NextGenPSD2-Initiative mit den Zielen des Euro Retail Payments Board (ERPB, das von der Europäischen Zentralbank geleitete Nachfolgegremium des SEPA-Councils) ab.
Um sicher zu gehen, dass die Interessen aller Akteure abgedeckt sind, wurde der Standard, welcher immer noch in Entwicklung ist, am 27. September für die öffentliche Konsultation freigegeben. Mit dieser öffentlichen und transparenten Konsultation sollen alle Marktteilnehmer die Möglichkeit haben, an der Entwicklung eines ausgereiften Standards mitzuwirken, welcher sowohl die Marktbedürfnisse als auch anwendbares Recht und Regulationen berücksichtigt.
Der NextGenPSD2 - Standard ist seit dem 2. Oktober auf der Berlin Group Seite www.berlin-group.org/market-consultations verfügbar. Die öffentliche Konsultation endet am Freitag, 17. November 2017. Alle Beiträge werden im Anschluss an die Konsultation publiziert.

Wer ist NextGenPSD2?
Die Mitglieder der NextGenPSD2-Initiative arbeiten in einer einzigartigen Partnerschaft an der gemeinsamen Vision, in der offene und harmonisierte PSD2-XS2A-Schnittstellenstandards für Prozesse, Daten und Infrastruktur eine unabdingbare Notwendigkeit für einen offenen und leistungsfähigen Markt sind. Wahre Interoperabilität ist eine essentielle Komponente kompetitiver pan-europäischer PSD2-XS2A-Dienstleistungen, welche dazu beitragen, dass der Europäische Markt weiter zusammenwächst. Und davon profitieren letztlich die Zahlungsverkehrsbranche, wie auch Privat- und Firmenkunden. 
NextGenPSD2 setzt sich aus 39 Organisationen, Stand 3. Oktober 2017, aus EU - und Nicht-EU- Mitgliedstaaten aus den verschiedensten Bereichen des Bankings und des Zahlungsverkehrs zusammen. Auch SIX Payment Services zählt zu den Mitgliedern der NextGenPSD2 - Initiative.
Wichtig zu erwähnen ist auch, dass NextGenPSD2 weder an eine spezifische Bank(engemeinschaft) noch an einen spezifischen Dienstleister gebunden ist.

Was bedeutet NextGenPSD2 für die Schweiz?
Obwohl SIX Payment Services ein Mitglied der NextGenPSD2 - Initiative ist, konnte der Schreibende keine konkreten Aussagen bezüglich deren Beitrag an der Initiative finden bzw. welche Rolle für NextGenPSD2 auf dem Schweizer Finanzplatz vorgesehen ist.
Seitens SIX wird immer noch davon ausgegangen, dass PSD2 XS2A aufgrund der fehlenden gesetzlichen Rahmenbedingungen keine einheitliche und harmonisierte Würdigung erfahren soll/wird.
Andererseits ist SIX auch Mitglied von SFTI, Swiss Fintech Innovations (http://swissfintechinnovations.ch/). SFTI befasst sich mit einer Arbeitsgruppe an der Definition und Entwicklung von SOFA (Swiss Open Finance API), einer offenen, gemeinsamen Banken- und Finanz-Programmierschnittstelle.

Es stellt sich die Frage, ob es einen Austausch zwischen der NextGenPSD2 - Initiative und SFTI gibt, um den Standard für das Schweizer API an den europäischen Standard anzugleichen.
Leider erfolgte darauf bis zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Zeilen keine Antwort.
Die Stellungnahme der Schweizerischen Bankenvereinigung (http://www.swissbanking.org/de/themen/aktuell/20170707-5000-all-positionspapier-psd2.pdf) geht sogar noch weiter und lehnt eine Regulierung analog zu PSD2 bzw. eine gesetzlich erzwungene Öffnung der Zugriffsrechte für Dritte gänzlich ab.
Aus unserer Sicht wäre es wünschenswert, wenn der Schweizer Finanzplatz in Kürze eine verbindliche Zusage zu PSD2 XS2A machen und sich der diesbezügliche Standard am europäischen Standard von NextGenPSD2 orientieren würde.

Dieser Beitrag wurde von René Heusser gepostet.

#APIs, #DigitalBanking, #OpenBanking, #PSD2, #XS2A,

Dollarization 2.0

Cashless, eGesellschaft, FinTech, AI, Blockchain, MobilePayment, DigitalFinanceExperts, PPISchweizChristine Lagarde, die Grande Dame des Internationalen Währungsfonds (IMF), präsentiert auf der Bank of England Conference erstaunlich offen ihre Gedanken. Unter dem Titel: “Central Banking and Fintech - A Brave New World?“ geht sie der Frage nach: “How will fintech change central banking over the next generation?“

Letzte Woche erst berichtete Carsten Miehling, CEO PPI Schweiz, an dieser Stelle, dass die grösste Kantonalbank in unserem Land Fintechs eher als Hype wahrnimmt und dieser Branche jetzt und auch in Zukunft kaum oder nur sehr geringe Marktanteile attestiert. Und nun kommt die höchste Währungshüterin der Welt und malt ein gegenteiliges Bild, nämlich eines mit Crypto Currencies und grossen Herausforderungen für das etablierte Bankensystem, inklusive der Zentralbanken. Sie glaubt an den Fortschritt, glaubt daran, dass neue Player am Verhandlungstisch Platz finden und gewisse alte Strukturen der Vergangenheit angehören werden. Sie zeichnet eine Welt, in der Menschen mühelos über Grenzen hinweg virtuell in Echtzeit bezahlen, ohne Clearing versteht sich. 

Welche der beiden Auffassungen letztlich recht behalten wird, zeigt uns die Zukunft. 

Lassen Sie uns aber erst einmal einen Blick in Frau Lagarde‘s Gedanken werfen. Ihren Vortrag stützt sie auf drei wichtige Teilgebiete: 


1. Virtual Currencies

Hier weist Frau Lagarde klar darauf hin, dass “VirtualC“ nicht einfach digitale Transaktionen in bestehenden Landeswährungen sind, sondern tatsächlich als eigenständige und ernstzunehmende Einheiten von Konten und Zahlungssystemen zu verstehen sind, die P2P-Transaktionen ohne das zentrale Clearing eines Bankhauses oder der Zentralbank ermöglichen. Im Moment spielen Bitcoin etc. noch eine untergeordnete Rolle, da der Kurs sehr volatil und ein Einstieg riskant sowie der Mining-Prozess energieintensiv ist. Ebenso sind “Virtual Currencies“ für Regulatoren undurchsichtig und einige Börsen wurden auch schon gehackt. Aber die meist technischen Herausforderungen werden im Laufe der Zeit gelöst und die Abwicklungsprozesse optimiert und vereinfacht werden. 

Auf lange Sicht kann diese Technologie gemäss Frau Lagarde nationale Währungen substituieren und wird in der Lage sein, ein Fragezeichen hinter das bestehende Bankensystem zu setzen. 


Geschickt bringt Frau Lagarde einen passenden Vergleich: “Not so long ago, some experts argued that personal computers would never be adopted, and that tablets would only be used as expensive coffee trays. So I think it may not be wise to dismiss virtual currencies."


Gerade für Länder mit einer schwachen eigenen Währung bergen diese digitalen Lösungen spannende Chancen. Das könnte für manche Regierung weitaus interessanter sein, als einfach eine Parallelwährung, wie z.B. den Dollar, zu akzeptieren. Man könnte diesen Prozess gemäss Frau Lagarde also Dollarization 2.0 nennen.


Stellen Sie sich zum Beispiel die wachsende Nachfrage nach neuen Zahlungsformen vor, gerade in Ländern, in denen die Ökonomie der dezentralen Dienstleistungen wächst und das vielleicht sogar auch über die Landesgrenze hinweg. Ein paar Dollar für einen Gärtner-Tipp aus Neuseeland, ein paar Euro für das Layout einer Arbeit etc. Heute bezahlt man solche Leistungen meist via Kreditkarte. Aber gerade bei kleinen Beträgen sind die Gebühren meist uninteressant hoch. Somit wird das Volk gemäss Frau Lagarde bald vermehrt nach virtuellen Währungen verlangen. Und wenn diese weiterhin unsicher und instabil sind, dann wird der Ruf an die Zentralbank laut, den Markt mit einer sinnvollen digitalen Lösung zu versorgen. 



2. New Models of Financial Intermediation
Frau Lagarde meint, dass wir künftig nur noch minimale Saldi für den anfallenden Zahlungsverkehr in unseren virtuellen Brieftaschen haben werden. Den Rest investieren wir via Fonds- und Peer-to-Peer-Plattformen, inklusive künstlicher Intelligenz für das automatische Kredit-Scoring. Solche Prozesse untergraben das herkömmliche Banking. “Data is King“ ist das neue Lösungswort dieser Welt und sie besteht aus vielen neuen Playern, die alle keine physische Anlaufstelle unterhalten. 

How would monetary policy be set in this context?

Heute funktioniert die Geldpolitik eines Landes, weil die Zentralbank die Banken mit Liquidität versorgt. Aber wenn die Banken generell weniger wichtig werden in der neuen Finanzwelt, wie kann dann eine effektive, zentrale Finanzpolitik aufrechterhalten werden? 
Immer mehr Player müssten reguliert und überhaupt erst einmal definiert werden. Wie benennen Sie ein Social Media Unternehmen, das Zahlungsdienstleistungen anbietet, aber keine aktive Bilanz führt? Ist das eine Bank? 

Cooperation is key

Das weitere Vorgehen muss in erster Linie auf Dialog basieren. Gestandene Regulatoren müssen sich mit ihren jungen Kollegen, die sich mehr mit Algorithmen als mit wirklichem Geld befassen, an einen Tisch setzen und Erfahrungen austauschen. Zentralbanken müssen sich über die Landesgrenzen hinweg gegenseitig über Entwicklungen informieren und rechtliche Fragen miteinander angehen. Die neuen Währungen stehen nicht wie Währungen bisher für nationale Einheiten, sondern für internationale Aktivitäten. 
Frau Lagarde bietet hier den IMF als Diskussions-Plattform an und appelliert dafür, dass neue Player am Tisch zugelassen werden. 


3. Artificial intelligence

Untersuchungen zeigen, dass nahezu 90% aller zur Verfügung stehenden Daten in den letzten zwei Jahren gesammelt wurden. Und wir sprechen hier nicht nur von Arbeitslosenzahlen oder Wetterdaten, sondern von ganz eigenen Verhaltensdaten von jedem einzelnen Homo Ökonomikus. Und diese Daten werden immer wertvoller, weil wir sie mit künstlicher Intelligenz koppeln und auswerten können. 
Und was bedeutet das für die Finanzpolitik? Gute Finanzpolitik ist meist dann erfolgreich, wenn sie klar erklärt wird, damit die Öffentlichkeit klare Erwartungen daraus ableiten kann. Oder können selbst das Maschinen übernehmen? So oder so, auch wenn Maschinen ihre Entscheidungen erklären könnten, wer kann dann dafür verantwortlich gemacht werden, wenn ökonomische Krisen aufkommen?
Verantwortlichkeiten definieren ist der Schlüssel. Ohne sie können wir keine Unabhängigkeit haben. Und ohne Unabhängigkeit scheitert die Politik oder wird irregeleitet. Das heisst, dass Maschinen eher nicht die Finanzpolitik übernehmen werden. 
Frau Lagarde schliesst mit den Worten: “I believe that we - as individuals and communities - have the capacity to shape a technological and economic future that works for all. We have a responsibility to make this work. That is why I prefer Shakespeare’s evocation of the brave new world in ‚The Tempest’: “O wonder! How many goodly creatures are there here! How beauteous mankind is! O brave new world.”

Mutig und zukunftsorientiert ist diese Rede. Frau Lagarde zeigt sich offen für neue Tendenzen im internationalen Zahlungsverkehr und beobachtet technische Entwicklungen genau. Wir von PPI Schweiz begrüssen diesen Fortschrittsglauben und gehen mit Frau Lagarde überein, dass sich Fintechs vielleicht rascher als einem lieb ist durchsetzen und spannende neue Lösungen anbieten werden. Protektionismus ist aus unserer Sicht hier fehl am Platz. Wer sich verzweifelt an Altem festklammert, verschwendet seine Energie und wird blind für die Zukunft. 


Hier finden Sie die Originalrede von Christine Lagarde

https://www.imf.org/en/News/Articles/2017/09/28/sp092917-central-banking-and-fintech-a-brave-new-world


Dieser Beitrag wurde von Matthias Hungerbühler gepostet.

#AI, #Dollarization, #CryptoCurrencies, #VirtualCurrencies

#quergedacht: Schweizer Fintech - Was kommt nach dem Hype auf uns zu?

Der nachfolgende Blog fasst die Ergebnisse einer Studie der Zürcher Kantonalbank vom 18. September 2017 zusammen, setzt sie in den praxisbezogenen Kontext der eigenen Kundenmandate
und interpretiert ausgewählte Passagen und Aussagen.

Bei der kürzlich erschienenen Research Publikation der Zürcher Kantonalbank lässt zunächst einmal schon der Titel aufhorchen. Da scheint also die grösste Kantonalbank der Schweiz der Meinung zu sein, dass das Thema Fintech nur ein Hype ist und wir in Kürze auf diesen, analog der Dotcom-Blase, verwundert und auch etwas amüsiert zurückblicken werden? Im Sturm der aktuellen Nachrichten rund um das Thema in den sozialen Medien, wo echte und selbsternannte Experten mit Schlagworten wie „Blockchain“, „Distributed Ledger“, „Smart Contracts“, „Artificial Intelligence“ und ähnlichem sich zu profilieren versuchen, kommt die Message der Studie schon fast provokativ oder zumindest aufreizend beim Fintech-interessierten Leser an.

Wir haben uns folgende vier Kernthesen zur näheren Betrachtung herausgesucht:

„Fintech wird Spuren hinterlassen“
Für echte Fintech-Aficionados ist eine solche Feststellung seitens einer etablierten Staatsbank bereits der Beweis dafür, dass die meisten Vertreter der hiesigen Institute die Bedeutung und die Heftigkeit der aktuell angelaufen „Disruption“ (ein ebenfalls inflationär benutzter Begriff) in der Finanzindustrie völlig unterschätzen. Nichtsdestotrotz, es ist in der Tat so, dass heute auch gestandene Banker über das Thema Digitalisierung in ihrer Branche weit besser informiert sind als noch vor zwei bis drei Jahren, aktuelle Entwicklungen erkennen und diese auch ernst nehmen.

„Unseres Erachtens nach wird Fintech hauptsächlich in der Kundeninteraktion eingesetzt werden.“
An dieser Stelle gehen die Autoren wohl zu wenig weit. Sie beschreiben vielmehr die aktuelle Wahrnehmung, jedoch nicht das eigentliche Potential. So werden dann auch Beispiele der digitalen Kontoeröffnung oder die Online-Hypothek erwähnt; Prozesse, die schon gefühlt seit Jahren umgesetzt sind. Wir von PPI sehen die grössten Nutzenpotentiale in der Digitalisierung und Automatisierung von Backend-Prozessen. Insbesondere im Umfeld des Corporate Bankings, mit heute noch sehr komplexen und manuellen Abläufen, werden Lösungen entwickelt werden.

„Möglicherweise werden Fintech-Unternehmen in einzelnen Bereichen die Banken konkurrenzieren. Aktuell fehlt ihnen allerdings die breite Kundenbasis, welche die Banken schon haben.“
Dem kann man aus heutiger Sicht sicher beipflichten. Sogar im so erfolgreichen Einsatz von Fintech im Retail Banking ist es den Lösungsanbietern bis heute nicht gelungen, substantiell Vermögen und Kunden von den Banken abzuziehen. Die Konten und Depots von Herrn und Frau Schweizer sind nach wie vor bei der Bank und auch für den Zahlungsverkehr fristen die Lösungen von TWINT, Apple Pay und Konsorten noch ein Schattendasein. Ebenso ist die Killer-Applikation auf Basis der Blockchain-Technologie noch nicht in Erscheinung getreten.

„Trotz der Aufmerksamkeit, die Fintech in den letzten Jahren auf sich gezogen hat, ist der Fintech-Einfluss auf die Erfolgsrechnung von Banken kaum bemerkbar.“
Die vierte Aussage ist letztlich eine Konsequenz der dritten. Man könnte hier natürlich wiederum die Ignoranz oder Arroganz der Banken ins Feld führen, was aber auch zu einfach wäre. Das Interessante an den Kernaussagen der ZKB-Studie ist, dass sie zu sehr ähnlichen Schlüssen kommt wie die renommierte WEF-Studie vom August 2017 „Beyond Fintech: A Pragmatic Assessment Of Disruptive Potential In Financial Services“. Auch hier stechen vier Kernaussagen ins Auge:



  1. Fintechs haben den digitalen Innovationsprozess aktiv angestossen und beeinflusst
  2. Fintechs haben die Anforderungen an neue kundenfreundliche User-Interfaces stark erhöht
  3. Fintechs konnten noch nicht in hohem Masse Kunden der Banken abwerben
  4. Fintechs konnten noch nicht eigene, von Banken unabhängige, Ökosysteme etablieren

Fazit: Die Studie wiederspiegelt die aktuelle Haltung und Denkweise der Mehrheit der etablierten Finanzinstitute. Die von vielen Fintech-Experten propagierte Revolution (oder eben Disruption) im Banking ist noch nicht eingetreten. Anstelle der Kompetition tritt aktuell eher eine Kooperation der etablierten mit den neuen Akteuren. Die Entwicklung wird unserer Meinung nach weitergehen und viele der ursprünglich anvisierten Ziele werden auch erreicht werden. Es wird Innovationen geben, die wir heute noch nicht voraussehen und der Regulator wird hier seinen Einfluss weiter wahrnehmen und noch ausbauen. Für einen „... was kommt nach dem Hype auf uns zu?“ ist es aber definitiv noch zu früh. Möglicherweise hat der Hype gerade erst begonnen.

Quergedacht hat Carsten Miehling.


#FinTech, #DigitalBanking, #Digitalisierung

Aktuelles aus dem europäischen Umfeld

Mitte September trafen sich die Mitglieder der EPCA (European Payments Consulting Association), in welcher PPI Schweiz ebenfalls Mitglied ist, ein weiteres Mal zum informellen Austausch. Ziele dieser Treffen sind die gegenseitige Information über die aktuelle Entwicklung in den einzelnen Ländern sowie Diskussionen über spezifische Themen. Als Standort für das Treffen wurde, anlässlich der neuen PPI-Geschäftsstelle, Genf gewählt. Für weitere Informationen zu ECPA besuchen Sie deren neue Web-Seite unter www.epca.de.

PSD2
Das Dauerthema PSD2 stand auch diesmal wieder auf der Agenda. Sämtliche Teilnehmer bestätigen, dass dieses Thema auch in ihren Ländern kontrovers diskutiert wird. Einerseits sind die Banken nicht gewillt, ihre Daten für weitere Dienstleister zu öffnen, andererseits aber soll verhindert werden, dass europäische Gesetze verletzt werden und dadurch möglicherweise Sanktionen ergriffen werden könnten.
Der Wunsch vieler Betroffenen, also Banken sowie Software-Hersteller (Fin-Techs), nach einem einheitlichen, europäischen Standard-API wird sich wohl kaum erfüllen. Die Berlin Group, dessen Teilnehmerliste inzwischen  37 europäische Institute umfasst (Stand September 2017), hat noch immer keine konkrete Spezifikation veröffentlicht. Inzwischen aber hat STET (France), ebenfalls Mitglied der Berlin Group, eine solche bekannt gegeben. Es wird interessant sein zu beobachten, welche Akzeptanz diese im Markt finden wird.

AML
Interessantes gibt es seitens der AML (Anti Money Laundering) -Direktiven zu berichten. Während die Version 4 verabschiedet wurde und nun umgesetzt wird, ist bereits die Version 5 im Vernehmlassungsprozess. Im Markt wird nun etwas frustriert festgestellt, dass die Behörden neue Versionen schneller beschliessen, als diese technisch umgesetzt werden können. Laufend werden weitere Zahlinstrumente von diesen Regulatorien erfasst, sodass die Akteure laufend nachrüsten müssen. Zudem ist eine Diskussion entstanden, was genau als e-Money zu gelten hat und welche Vorschriften diesbezüglich zu gelten haben. Im Grundsatz aber ist erkennbar, dass sich die Behörden eine Cashless-Society als Zielbild vorstellen. Wenn auch noble Gründe dafür sprechen (Verhinderung von Geldwäsche und Terror-Finanzierung), ist einem nicht wirklich wohl bei dem Gedanken, dass in Zukunft sämtliche Geldströme von den Regierungen überwacht werden sollen.

Cashless Society
Andererseits sind wir in gewissen Ländern schon sehr nah an der Cashless-Society. Die Pflicht zur Bargeldannahme schwindet mehr und mehr. Inzwischen gibt es schon einige Situationen, in welchen nicht mehr mit Bargeld bezahlt werden kann. Beispiele sind Tankstellen, welche rund um die Uhr geöffnet haben und zwischen 22:00 und 6:00 Uhr nur Kartenzahlungen akzeptieren, damit keine Bargeldbestände gehortet werden müssen. Der Grund hierfür ist im Wesentlichen der Schutz der Angestellten. Ähnliches hat der Schreibende kürzlich in Kanada erlebt, als er im Hotel bar bezahlen wollte; auch hier nur mit Karte bitte.
Aktuelle Statistiken aus den nordischen Ländern belegen, dass tatsächlich die Cashless-Society schon sehr nahe ist, insbesondere Schweden ist diesbezüglich eindeutig an erster Stelle. In die gleiche Richtung geht auch die Abschaffung der EUR-500-Note. Von dieser sind knapp 600 Millionen (Wert EUR 300 Milliarden) im Umlauf, welche ab 2018 nicht mehr neu ausgegeben und stetig reduziert werden soll. Die Schweiz bildet in diesem Bereich eine grosse Ausnahme. Die Abschaffung der CHF-1000-Note ist kein Thema, mehr als 45 Millionen (im Wert über 45 Milliarden) bleiben im Umlauf. Interessant ist der Vergleich dieser grössten Noten bezüglich Wertanteil. Während im EUR-Raum die EUR-500-Note knapp 28% der gesamten Bargeldmenge ausmacht, beträgt der Anteil CHF-1000-er Note über 62%. Da diese Noten nur selten im normalen Bargeldverkehr zum Einsatz kommen, wird offenbar eine sehr grosse Menge an Vermögen in Form von Bargeld gehortet.

Bitcoin
Das Thema musste ja kommen, kein Blog ohne das Thema Bitcoin. Was also gibts es Neues zu diesem Thema?
Am 1. August 2017 wurde eine neue Kryptowährung ins Leben gerufen, Bitcoin Cash.
Die Entstehung ist tatsächlich interessant, sie wurde nämlich durch eine Abspaltung des originalen Bitcoin errichtet, was bedeutet, dass Besitzer von Bitcoin nun auch die gleiche Anzahl in Bitcoin Cash erhalten haben (sofern sie ein Wallet haben, welches dies unterstützt). Welche Auswirkung das nun auf dem Markt hervorbringt, ist nicht klar ersichtlich. Es gibt nun also Bitcoin (Währungskürzel BTC) und Bitcoin Cash (Währungskürzel BCC oder BCH). Details siehe auch auf Wikipedia.
Übrigens, gerade in dieser Woche ist der BTC um fast 30% gefallen auf USD 3192. Der Bitcoin-Experte der EPCA, nicht identisch mit dem Schreibenden, prognostiziert einen Stand von USD 5000 zum Ende des Jahres.
Steigen Sie ein?

Diese und weitere Themen wurden auch während dem kulinarischen Rahmenprogramm ausführlich diskutiert (und die meisten Probleme auch gleich gelöst…). Abgerundet wurde das Programm mit einer interessanten
Führung durch die Calvin-Stadt.

Dieser Beitrag wurde von Rolf Zumsteg gepostet.

#PSD2, #Cashless, #Bitcoin, #EPCA


Warum die Harmonisierung ZV keine blosse Formatumstellung ist

Nur Mut! Das Schlimmste kommt noch!
Seit geraumer Zeit beschäftigen sich sehr viele Mitarbeiter von Banken und Firmen mit der Harmonisierung des „Zahlungsverkehr Schweiz“. Projekte wurden gestartet und sind in vollem Gange. Warum aber dieser ganze Effort? Ist es nicht nur - wie bereits Carsten Miehling vor kurzem geschrieben hat - „alter Wein in neuen Schläuchen“?

Warum hat auch SIX Interbank Clearing Anfang 2017 zu einem so späten Zeitpunkt, als die ganze Implementierung bereits in vollem Gange ist, unter dem Link www.paymentstandards.ch eine neue Kommunikationskampagne mit dem Titel „Activating Digital Switzerland“ gestartet?
Wir müssen uns also nochmals fragen, warum der ganze Formatwechsel eigentlich notwendig ist.

Woher kommen wir?
Bisher herrschten im Zahlungsverkehr - nicht nur in der Schweiz - heterogene und in die Jahre gekommene Formate, bei denen an unterschiedlichsten Stellen Trunkierungen möglich waren, das heisst, nicht alle Informationen über die ganze Kette erhalten blieben.
Daneben waren die Grundfunktionalitäten im Zahlungsverkehr zwar schon immer gegeben, aber weiterführende Features waren aufgrund der Legacy-Formate nicht oder nur schwer realisierbar.
Die neue Welt mit ISO 20022 soll hier Hand bieten.

Wohin gehen wir?
Im oben erwähnten Blog wurde aufgezeigt, dass durch ein detailliertes Zahlungsprotokoll fehlerhafte Aufträge automatisiert erkannt und zur Korrektur vorgelegt werden können, eine Korrektur der Stammdaten ermöglicht wird und der Abklärungsaufwand bei Zahlungseingängen minimiert wird.
Dies ist jedoch erst der Anfang: Die Kampagne von SIX Interbank Clearing und auch aktuelle Veranstaltungen wie die „Scientifica“, bei der sich Anfang September die ETH Zürich die Frage stellt „Was Daten verraten?“, zeigen auf, dass wir immer vernetzter werden und die virtuelle Welt weiter sehr stark auf dem Vormarsch ist.

Wie passt nun die „Harmonisierung Zahlungsverkehr Schweiz“ in den Gesamtkontext?
Es ist zwar nur ein kleiner Teil, aber wenn im IoT, dem „Internet of Things“, ein Kühlschrank künftig Milch oder die Waschmaschine Waschpulver bestellt (und bezahlt), muss die Datengrundlage stimmen.

Auch unter PSD2, die eine weitere Öffnung der Bankzugänge für Drittanbieter für Kontoreporting und Zahlungsauslösung vorsieht, sind entsprechende Ansätze vorhersehbar.

Fazit: Auch wenn es im ersten Moment „nur“ die Harmonisierung des Zahlungsverkehrs ist, so legen wir doch damit schon heute den Grundstein für eine immer stärker vernetzte Welt.

Welche Digitalisierungsansätze ergeben sich aus der Harmonisierung des Zahlungsverkehrs?
Oberstes Ziel sollte es sein, aktuelle wie auch zukünftige Medienbrüche aufzulösen. Ein Zahlungsprotokoll sollte nicht mehr aus der Kette herausgelöst und durch eine Drittapplikation „schön und benutzerfreundlich“ dargestellt werden, sondern der ursprünglichen Intention folgend, direkt in die Buchhaltungsanwendung importiert werden, die den Zahlungsauftrag erstellt hat und somit eine vollautomatisierte Schliessung der offenen Posten ermöglichen.
Auch die neuen Kontoreportingmeldungen sind unter diesem Aspekt zu verstehen. So wird der camt.054 stand-alone die Funktion des ehemaligen ESR-v11-Files übernehmen und ausstehende Forderungen nach Eingang vollautomatisiert in der Buchhaltung schliessen.

Natürlich rufen die neuen Möglichkeiten und Formate neue Akteure und Entwickler auf den Markt, die entsprechende und verschönernde Lösungen anbieten. Dennoch sollten wir uns streng an die ursprüngliche Intention halten und nur die zwei grossen Ziele verfolgen: Medienbrüche vermeiden und eine Vollautomatisierung ermöglichen.

Wo stehen wir in der Realisierung?
Vermutlich bewegen wir uns bereits im Bereich „80% Aufwand für die letzten 20% Ergebnis“. Viele haben einfach nicht die Ressourcen oder das Geld, die Harmonisierung vollständig zu leben und beispielsweise alte Erfassungsformulare wegzuwerfen. Aber nur dann haben wir zukünftig die Basis, die wir für weiterführende Entwicklungen benötigen. Schon Bill Gates hätte sich nicht träumen lassen, welche Konsequenzen das Sparen von zwei Stellen bei der Datumsspeicherung einmal hat (sogar für Tastaturtreiber gab es eine „Jahr-2000-ready-Bescheinigung“, welche eingeholt werden musste. So füllen wir heute „alten Wein“ in neue Schläuche und hoffen, dass wir mit möglichst wenig Aufwand wieder korrekt Zahlungen auslösen können.

Alte Zöpfe abzuschneiden erfordert Mut
Der eine oder andere mag zögern, eine veraltete Infrastruktur auszumustern - wie einen Bankserver, über den nur DTA-Dateien entgegengenommen werden -, weil nur wenige, aber ertragsreiche Kunden darauf noch arbeiten. Dies kann jedoch früher oder später zum Problem werden, weil durch notwendige Regressionstests bei jeder (parallelen) Neuentwicklung und bei jedem Release sichergestellt werden muss, dass eben jene veraltete Lösung ebenfalls noch funktioniert.
Wenn uns auch manche Legacy-Systeme noch ein Weilchen begleiten, glauben wir dennoch an die Harmonisierung des Zahlungsverkehrs und ermutigen alle, ihre Anwendungen vollständig auf die neuen Strukturen umzustellen. Sei es, um leichter künftigen Geldwäschereianforderungen nachkommen zu können oder sei es, um in einem zweiten Schritt zielgerichtet die Aktivierung des „Digital Switzerland“ vorantreiben zu können.

Und sie lächelten...

Viele werden sich schon freuen, wenn die Harmonisierungs-Projekte vorbei sind, mit dem neuen Einzahlungsschein ein letzter Meilenstein eingeführt ist und man endlich einmal wieder etwas „für den Kunden“ umsetzen kann, da die wahren Kundenbedürfnisse in den letzten Jahren meist hintenanstehen mussten. Aber der Kunde wird künftig zwangsweise auch neue Lösungen fordern, die ohne die derzeitigen Arbeiten gar nicht möglich sind. Vielmehr werden nach dem Zahlungsverkehr auch noch viele andere Bereiche anstehen, die digitalisiert werden und für die die Daten- und Prozessbasis geschaffen werden müssen. Vielleicht werden wir daher in künftigen Projekten einmal wehmütig auf die aktuellen Zahlungsverkehrsprojekte zurückschauen und denken: „Hätten wir nur damals bereits die Grundlage gelegt...“

Dieser Beitrag wurde von Frank Rebmann gepostet.

#ISO20022, #HarmonisierungZVCH, #PSD2,